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     Arterielle Chirurgie

Einführung - Blutkreislauf und Gefäßsystem 

Bis zum 16. Jahrhundert ging man davon aus, dass die Leber das zentrale Kreislauforgan des Menschen sei und die Arterien das verbrauchte Blut dem Herzen zuführen würden, um dort neuen Geist eingehaucht zu bekommen. Erst 1628 beschrieb William Harvey ein geschlossenes Kreislaufsystem aus Arterien, Venen und dem Herzen als Pumpe. Heute kennen wir die einzelnen Bestandteile des Kreislaufsystems und deren Funktion.

Es gibt drei wesentliche Arten von Blutgefäßen: Arterien, Venen und Kapillaren. Die Arterien führen das nährstoffreiche Blut in den gesamten Körper bis zu den Kapillaren. Diese feinen, haardünnen Blutgefäße geben die benötigten Stoffe (Nährstoffe, Sauerstoff) durch ihre hauchdünnen Wände an die Gewebe ab und nehmen die Abfallprodukte auf. Die Venen sammeln das auf diese Weise verbrauchte Blut und führen es zum Herz zurück.

Die elastischen Wände der Arterien dämpfen die Wucht, mit der das Herz das Blut auswirft, ab. Dadurch entsteht ein gleichmäßiger Blutstrom (Windkesselfunktion), die Pulswelle wird jedoch fortgeleitet und kann zum Beispiel am Handgelenk oder im Bereich der Füße als Puls getastet werden. Die Arterien werden daher auch Schlagadern genannt.

Die Venen bilden das sogenannte Niederdrucksystem. Das Blut wird in den Venen durch den Unterdruck im Brustkorb zum Herzen gesaugt. Um ein Versacken des Blutes entsprechend der Schwerkraft zu verhindern, sorgen Venenklappen für einen herzwärts gerichteten Blutstrom.

Lymphgefäße transportieren kein Blut sondern Flüssigkeit, die sich in den Geweben ansammelt. Die Lymphflüssigkeit wird im Halsbereich in das venöse Blutsystem eingeleitet. Bei Entzündungen oder Infektionen ist dieser Lymphfluß erhöht, insbesondere Infektionen können auf diesem Weg in den gesamten Körper gelangen und zur sogenannten Sepsis führen.

In unserer Abteilung für Gefäßchirurgie werden alle Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphbahnen und deren Folgezustände diagnostiziert und behandelt.

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Leistungsspektrum

Operationen am Schlagadersystem (ausgenommen herzchirurgische Eingriffe):

Wiederherstellende Operationen an den Halsschlagadern, Becken- und Beinschlagadern, Ausschaltung von Schlagadererweiterungen (Aneurysmen) durch konventionelle Operationen und Stentprothese, Ballonaufdehnungen von Schlagaderverengungen oder Verschlüssen, medikamentöse Gerinnselauflösungen (in Zusammenarbeit mit der Radiologischen Klinik des Hauses).

Therapie von Venenerkrankungnen 

Wir bieten verschiedene Verfahren an. Je nach individueller Situation setzen wir neben der üblichen operativen Therapie („Stripping“ nach der Minischnittmethode) auch minimalinvasive Kathetertechniken, endoskopische und venenerhaltende Operationen ein.

Besondere Therapieschwerpunkte

Einsatz körpereigener Materialien unter weitgehender Vermeidung von Kunststoff: 1. weitgehender Verzicht auf Kunststoff in der arteriellen Chirurgie durch Einsatz körpereigener, sonografisch ausgewählter Venen (Bein, Arm). 2. Gefäßersatz bei Infektion durch tiefe Beinvene (Vena femoralis superficialis) oder Silberprothese (Silvergraft)

- Die gesamte arterielle und venöse Gefäßchirurgie (außer Herz-Lungen-Maschine) einschließlich Infusionsbehandlungen

- konventionelle Aneurysmachirurgie: Aorta (Brustkorb,Bauch), Extremitätenarterien,Venen

- konventionelle Chirurgie bei Verengungen und Verschlüssen der Halsschlagadern, Organ-, Becken- und Extremitätenarterien (Ausschälplastik, Patch, Bypass bis zum Fuß)

- endovaskuläre Methoden: Stent (Aortenaneurysma, Carotis), Ballondilatationen bei Verengungen, Krampfaderchirurgie (Radiofrequenzablation)

- Differenzierte Therapiestrategien beim Diabetiker: Diabetisches Fusssyndrom, Katheter- und Bypassverfahren am Bein

- Wunddiagnostik und -therapie (Wundmanagement) insbesondere bei chronischen Wunden unter Einsatz modernster, schonender Verfahren einschließlich Ultraschall und plastischer Deckungsverfahren (Hautverpflanzung)

- Krampfadertherapie: minimalinvasiv (Minischnittmethode), kathetergestützt (Radiofrequenzablation), venenerhaltend

- ambulante Operationsmöglichkeiten, operative Versorgung von Gefäßverletzungen